Freitag, 20. April 2007

Gewitter

Ich schreib mal übers Wetter! Aus gegebenem Anlass – Sturmflut - muss ich das loswerden.

Erst mal im Allgemeinen, weil ich oft gefragt werde wie das Wetter hier ist. März war heiß und schwül mit viel Sonne. Jetzt merkt man den kommenden Winter schon. Ich kann zwar immer noch im T-Shirt bei ca. 20 °C rumlaufen, und meistens scheint die Sonne aber abends wird’s dann ein bisschen frisch. Bin mal gespannt wie hier der Winter wird…

Im Herbst – also jetzt – regnet es ziemlich oft, so ca. ein Mal die Woche. Aber der Regen ist anders als in Europa – ganz anders:
Der Himmel kündigt schon an, dass es bald Regen geben wird. Ruhe vor dem Sturm, dunkle Wolken, man kennt das ja. Ich hatte an dem besagten Tag Spanisch Unterricht und ich habe gehofft, dass ich noch trocken ankommen werde. Hat auch geklappt. Leider hat’s dann genau angefangen zu regnen als der Kurs aus war und ich nach Hause laufen wollte. Zu Fuß nur 10 Minuten. Aber das hat gereicht um mich bis auf die Unterhose durchzunässen, trotz Regenschirm, der war einfach nur lächerlich bei diesen Wassermassen. Der Himmel hatte nämlich wirklich seine Pforten geöffnet. Aus Eimern gießen war genau wörtlich zu nehmen. Die Wolken haben den Himmel verdunkelt, es donnerte und blitzte und ich kam mir vor wie in einem Showdown im Horrorfilm. Und auch wie bei Forrest Gump. Kennt ihr die Szene in der er den Regen in Vietnam beschreibt. Es regnet von, oben, von der Seite, auch von unter,… . Genau so war’s.
Wie gesagt, mein Nachhauseweg waren 10 Minuten, die ersten 10 Minuten des Gewitters. Dach ein paar 100 Metern waren die Straßen bis über die Bordsteine überschwemmt. Ich lief in wadentiefem Wasser nach Hause. Die Leute in den Geschäften an denen ich vorbeikam haben versucht das Wasser mit Pappkartons und Wischmops aus dem Laden zu halten. Ich musste nur loslachen, weil es so absurd und unmöglich war. Aus den Gullis sprudelte das Wasser nur so raus. Die Kanalisation war überschwemmt (und es sei immer wieder gesagt: innerhalb von 5-10 Minuten).

Weltuntergangsstimmung, wirklich.

Das versteht man unter Regen hier. Dieses Gewitter war wirklich extrem, aber auch sonst regnet es hier in diesen Dimensionen wenn es regnet. Nieselregen gibt es fast gar nicht, tagelanger Regen (wie in Berlin) auch nicht, und kurzer Regenschauer auch nicht. Meistens gießt, stürmt und gewittert es für 3-6 Stunden ganz heftig und dann ist auch wieder gut für die Woche. Listo. An dem Abend wollte ich dann noch (nachdem es aufgehört zu regnen) ins Kino mit der U-Bahn fahren. Die war leider auch überschwemmt und der Zugverkehr wurde eingestellt. Super – daraufhin ist natürlich das chaotische Bussystem völlig zusammengebrochen. Bienvenidos in Buenos Aires.

Gestern war dafür noch mal der letzte Sommer zurückgekehrt. 30 Grad, Sonnenschein und ich den ganzen Tag draußen im Park. Yes! Zurück zur Wirklichkeit Heute. 15 Grad und Regen – Scheiße! Der Temperatursprung war zu krass, und meine Lust auf Winter hält sich auch in Grenzen!!!


Na jut. Soviel zum Wetter. Aber ich hatte noch nie so sehr das Bedürfnis ein Gewitter zu beschreiben wie heute ;-)

Nach meinem bald folgenden Bericht über das Fußballspiel in Boca werde ich über meine Odyssee mit dem Visum berichten – nachdem ich mich soweit beruhigt habe dass ich wieder normal drüber sprechen kann. Bürokratie hier geht einfach mal gar nicht!!!


Soviel halte ich vom Ministereo de Migraciones und auf dem Bild vom Schild drüber kann man mal jedes einzelne Wort wörtlich nehmen!!!

In diesem Sinne – Grüße in den Frühling.


Dienstag, 17. April 2007

Chirurgie in Merlo

Nach langem hin und her habe ich 1 Tag vor der Abfahrt nach Mar del Plata (Mittwoch) erfahren, dass wir – Stefan und ich - am Montag mit unserem 1. Blockpraktikum anfangen können. Einerseits „Juhu“ ich werde doch was vom Krankenhaus hier mitbekommen, andererseits „naja“ weil, ich musste meine Rückfahrt von Mar del Plata umändern, draufzahlen und war auch ein bisschen sauer auf die Zuständige Koordinatorin – Doctora Sacriste – für die kurzfristige Ankündigung. Mit Ihr werde ich auch noch in Zukunft so meine Problemchen haben… Sie ist an der ganzen Uni bekannt, dass sie nur Probleme macht und nicht löst wie es eigentlich ihr Job ist. Für die Argentinischen Studenten ist es schon zum Sport geworden das Studium ohne Sacriste zu organisieren – was nicht ganz so einfach ist, aber es geht. Das ist jetzt auch mein Motto für die Uni hier.

Zurück zum eigentlichen Thema: Chirurgie in Merlo.

Merlo gehört zu Gran Buenos Aires, das heißt es ist eine der - ziemlich armen - Vorortstädte, die zur Provinz Buenos Aires gehören. Von Tür zu Tür brauche ich fast 2 Stunden, das heißt um 5 jeden Tag aufstehen ab in den Gefängnistransporterzug (siehe unten) und ab in den Campo – oh yeah!
Am ersten Tag hatten wir einen kleinen Engel an unserer Seite: Marcelo (siehe Asado in Mar del Plata)! Er wohnt in Merlo und kennt dort absolut jeden im Krankenhaus. Er hat uns alles gezeigt, wir wurden vorgestellt und so sind wir uns am ersten Tag nicht ganz so verloren vorgekommen.
Ich war ein bisschen verwirrt, weil die Chirurgische Abteilung – wie alles in Argentinien – mir wie ein großes Kaffeekränzchen mit ein bisschen Arbeit nebenher vorkam.
Die Station hat 20 Betten und ein bis drei Chirurgische Patienten liegen noch auch der Inneren oder der Intensivstation. Am Vormittag „arbeiten“ dort zwischen 12 und 17 Ärzten!!!
Der Tag fängt so an, dass die 2-4 Residents (Assistenzärzte) um 8 Uhr die erste Visite machen. Visite heißt: Decke hoch, Drainagen abchecken, Fragen ob man Kaka, Gases oder Pipi (Orginal-Spanische-Wörter) hatte, nächster. Stethoskop, Abtasten, Handschuhe und Desinfektion zwischen den Patienten gibt es sowieso nicht.

Zum Krankenhaus kann man noch sagen, das ich hinterher erfahren habe, dass es einen sehr schlechten Ruf hat und es ist wahr. Es war sehr sehr dreckig, trotz Nationalem Verbot wurde im Flur in den Ärztezimmern und neben dem OP geraucht. So viel ich weiß müssen die Patienten ihre Bettwäsche selber mitbringen und Frühstück besteht aus einem Brötchen, Keks und Wasser. Anscheinend gibt es bei den Krankenhäusern dem Municipalidad keine Qualitätskontrolle. Es hängt von dem Chef des Krankenhauses (der sicherlich verwand mit einem Politiker ist) und der jeweiligen Station ab (der wahrscheinlich mit dem Chef der Krankenhauses verwand oder befreundet ist) wie es geführt wird und in Merlo ist es eben sehr arm aber auch schlampig. Ich habe auch andere vergleichbar arme Krankenhäusern gesehen von denen ich besseres berichten kann, es liegt nicht ausschließlich am Geld.
Ein ganz anderer Punkt, den ich auch schon in Palästina bermekt habe, ist, dass die Patienten ganz anders mit Schmerzen umgehen. Selten wird gewimmert, gestöhnt oder sich beklagt. Auch schmerzhafte Prozeduren lassen die Patienten ohne Mucks über sich ergehen. Und wenn man zu echt kranken, frisch operierten Menschen ans Bett kommt und sie fragt wie es ihnen heute geht, ist die Antwort meisten: Gut. Das gibt’s in Deutschland nicht. Ich möchte diese Art mit Schmerzen und Leid umzugehen nicht bewerten, aber ich könnte mir schon vorstellen, dass wenn man sein eigenes Leid nicht immer im Mittelpunkt sieht, es die Heilung beschleunigt.

Zurück zum Tagesablauf. Nach der ersten Visite folgt die zweite, komplette Visite. Alle Ärzte machen noch mal die oben beschriebene Prozedur durch – und mit alle meine ich (ich habe nachgezählt) eben zwischen 13 und 17 Ärzte. Die Residents stellen die Patienten vor, die Chefs schauen einmal flüchtig drüber und geben dann vor was mit ihnen weiter geschehen soll.
Danach finden Montags, Mittwochs und Freitags 2-3 OPs am Tag statt und Dienstag und Donnerstag je nach dem was anfällt.

Erst mal zu den OPs: Wir waren auf einer Allgemeinen Chirurgie, deswegen wurden am aller meisten Gallenblasen und Hernien operiert. Die Prozedur ist mehr oder weniger die selbe wie in Deutschland also medizinisch nichts Neues. Was Neu war, war die Kaffeekränzchenmentalität, die im OP genauso weiter ging wie bei der Visite. Ich war echt schockiert:


- Upsi (Chef) – ja ich weiß ich bin steril angezogen, aber ich setz mich mal bis die Anästhesie fertig ist auf den unsterilen Stuhl.
- Upsi (Assistentin) – ja ich hab mir gerade mitten im offenen Bauchraum der Patientin den Handschuh mit der Nadel aufgerissen, aber für 20 Minuten Operieren zieh ich mir jetzt nicht extra einen neuen Handschuh an oder desinfizier mir noch mal meine Finger.
- Upsi (alle Chirurgen) – Mundschutz – Muss das sein. Na gut, aber nur bis unter die Nase.
- Upsi (alle anderen im OP) – Mundschutz – Nö.
- Upsi (Anästhesistin) – Infusion mit Anästhesie läuft, ich geh dann mal rauchen. Und Tschüß.
- Upsi (Anästhesistin) – Ja ich weiß, die Anästhesie ist nicht ausreichend und die Patientin spürt, dass ihr gerade der Darm aufgeschnitten wird. Ich höre sie ja bis nach neben an schreien. Aber lass mich erst mal meinen Kaffe austrinken, ich komme gleich.
- Upsi (Anästhesistin) – OK, die PDA wirkt immer noch nicht, dann intubiere ich halt 10 Minuten vor Operationsschluss und mach ne Vollnarkose draus.

Es hört sich schlimm an, aber ich übertreibe nicht! Und was mich so ärgert ist, dass die Krankenhäuser sowieso kaum Geld für ausreichende Hygiene haben. Warum hält man sich dann als Chirurg nicht an die Regeln im OP, die ohne Kohle eine sterile Operation unterstützen? Des Weiteren treten sehr viele postoperative Komplikationen auf Grund von Entzündungen auf, die man sicherlich auf die mangelnde Hygienementalität im OP und auf der Station zurückführen kann.

Auch hierzu ein Beispiel:
Patient (17) liegt seit 2 Wochen mit offenem Bauch auf der Intensivstation, mit Handschellen ans Bett gekettet und vor dem Zimmer sitzen Tag und Nacht 2 Polizisten. Er wurde gestern Extubiert (d.h. er atmet wieder selbstständig und liegt nicht mehr im künstlichem Koma) und ihm wird 3 mal täglich ca. ein Kilo Zucker über die Gedärme gelehrt. Was ist passiert?
Vor 2 Wochen ist er von einem Polizisten angeschossen worden bevor er versucht hat einen bewaffneten Raufüberfall durchzuführen. Eine Niere und die Milz waren nicht mehr zu retten und mussten entfernt werden. Der Dickdarm wurde auch durchschossen, was heißt das Kot im Bauchraum war und das führt zu einer heftigen Bauchfellentzündung. Jedenfalls wurde operiert: Milz und Niere raus, 2 künstliche Darmausgänge an der Bauchwand und der Bauch wurde wieder zugenäht. "Witzigerweise "ist das Projektil immer noch im Bauchraum. Es wurde bei der OP nicht gefunden?!?!?
Weil sich nach der Operation der ganze Bauchraum heftigst entzündet hatte musste er wieder aufgemacht werden und ist auch noch bis heute offen. Er wird von selber zuheilen und dann eine Art Narbe über den Gedärmen bilden (ohne schützende Muskelschicht) und in einem halben Jahr wird dann wieder aufgemacht und die Muskeln wieder darüber zusammengenäht. Und der Zucker? Anscheinend gibt es in Europa & Co. ein synthetisches Mittel, dessen Namen ich nicht weiß, welches die Wundheilung unterstützt - in diesem Fall eben, dass sich die Bauchdecke wieder schließt. Es ist hyperosmolar, dass kein Bakterienwachstum stattfinden kann und regt die Granulation (heilende Narbenbildung) an. Schweineteuer natürlich. Hier benutzt man halt Zucker. Hat wohl die selbe Wirkung.

Ich habe mich mit Marcelo über das geschehen im Krankenhaus unterhalten und er meinte, dass unter anderem für die Ärzte die „armen“ Menschenleben nicht so viel wert sind. Daher ist es nicht so schlimm wenn einer stirbt und man gibt sich einfach nicht so viel Mühe. Das sind harte Worte, aber ich kann den Eindruck nicht widerlegen.

Mit 2-3 OPs pro Tag könnte man sich ja fragen: Was machen so viele Chirurgen den ganzen Tag auf so einer kleinen Station in der pro Woche nicht mehr als 10 Operationen stattfinden? Die Antwort ist: Nichts. Nach der Visite wird eben Mate und Kaffee getrunken, im Aufenthaltsraum geschnackt und gelabert. Die Assistenten legen die letzten Verbände an und das war’s. Im Op sind bis 12 oder 13 Uhr 3-4 Ärzte. Der Chef geht um 12 wieder und danach verabschiedet sich die ganze Crew so nach und nach (bis auf die, die Nachtschicht haben natürlich). Man könnte meinen das sei ein easy Job, aber ganz so isses nicht. Werde in einem der Nächsten Blogs über die Bezahlung und deren Konsequenzen schreiben.

Man könnte sich auch fragen warum nur 3 mal pro Woche operieren wenn so viel Personal da ist. Ich denke das liegt auf der Hand: kein Geld für die Ausrüstung,… ! Wenn in der Notaufnahme zum Beispiel Gallensteine diagnostiziert werden dann ist die gängige Therapie (hier und in Deutschland auch) Galle raus. Wenn möglich relativ früh, denn Steine verursachen ziemlich schlimme Schmerzen. Hier kann dann der Termin für die OP – da sie kein Notfall ist – frühestens in 6 Monaten angesetzt werden. In anderen Häusern dauert das bis zu einem Jahr. Und was macht man bis dahin? Ganz einfach, kein Fett essen.

Meistens haben wir uns an den OP-Tagen nach den Operationen verdrückt, so um 14 Uhr. An den OP freien Tagen sind wir halt ein bisschen auf der Station rumgelaufen, haben uns einen Pharmavortrag über Colostomabeutel angehört und waren in der Guardia (Notaufnahme). Was mich hier am meisten beeindruckt hat war die unkonventionelle Art mit dem Mangel an Mittel umzugehen. Wir haben bei der Behandlung einer älteren Dame zugeschaut, die gestürzt ist. Sie hatte eine sehr große, tiefe und stark blutende Kopfplatzwunde. Über ihre Lippen kam kein Laut des Schmerzes. Erst als die Ärztin das Betäubungsmittel gespritzt hat, beschwerte sie sich über die Piekser. Ich weiß nicht ob ihr wisst wie in Deutschland das Nahtmaterial aussieht, aber gewöhnlicher Weise besteht es aus einer gekrümmte Nadel an der ein Nylonfaden befestigt ist und man näht die Wunde dann mit Hilfe einer Pinzette.
Hier gibt’s das alles nicht. In eine gewöhnliche Blutabnahmenadel wird ein (steriler) Leinenfaden gefädelt (per Hand – von wegen never recap a needle) und damit wird genäht. Fertig. Keine Pinzette, kein Nix, wenn man ein Widerlager für den Stich benötigt, dann kann man die Kappe der Nadel zur Hilfe nehmen.

So, fertig berichtet. Das war ein sehr langer Text, sorry. Aber ich wollte – auch für mich – alle Dinge, die ich erlebt habe festhalten. Ich hoffe euch hat’s auch ein bisschen Interessiert. Kommentiert doch – das geht jetzt auch ohne registrieren!

Als nächstes kommt das Highlight des Fußballs: Ich war am Sonntag in der Bombonera und habe DAS SPIEL Boca vs. River gesehen. Sehr geil!!! Des Weiteren bin ich jetzt auf der Gynäkologischen Station und auch hier gibt’s viele neue, krasse Eindrücke (illegale Abtreibungen und deren Folgen, offene Gespräche über Sex zwischen Mütter und Töchtern,,,) Dazu mehr in den Nächsten Posts.

Auch wenns nicht zum Thema passt hänge ich noch ein paar Fotos aus der letzten Zeit dran – ich hab ja so viel Speicherplatz ;-)


Der Friedhof in Recoleta (hier liegt auch Evita Peron)


Verkehr in BA - volle Straßen, volle Subte (U-Bahn)


Aussicht am Morgen aus meinem Fenster (1,2) und am abend vom Balkon (3) unserer Wohnung. achtet mal auch die Kabel die durch den Himmel schwirren, das sind Strum und Fernsehkabel, ausschließlich auserhaus laufend.

deutscher Oscar in BA

Liebe Grüße und Küsse in die Ferne.

Dienstag, 10. April 2007

Das Einleben ist vorbei




Auflößung vom letzten Post: Adenauer ist auch in Argentinischen Bücherständen zu finden.
"DICTATOR DEMOCRATICO"


La vida nocturnal: Ich muss zugeben, dass ich da jetzt noch nicht voll die Szenemaus geworden bin und ich denke dass das auch ausbleiben wird aber ich war schon ein paar mal aus. Was für mich schon mal schwierig ist, ist das man hier halt aller aller frühestens um eins loszieht – eher um drei.
Dann hat man hier schon eine sehr sehr große Auswahl an Clubs und Kneipen. Diese liegen aber – wie auch in Berlin – immer mehr oder weniger weit auseinander, dass man entweder viel Taxi fährt oder sich halt vorher einigen muss. Eintritt ist für hießige Verhältnisse ziemlich teuer finde ich (zwischen 10 (nur für Frauen) und 40 Pesos ist normal 1)) Ich war bis Jetzt im AmeriK und Shamrock. Ersteres wird als Transvestiten- und Schwulenclub gepriesen, aber auch da wird hererosexuellerweise gebaggert und angetatscht wie überall – eher schlimmer. Es ist wirklich bemerkenswert; die Typen (und auch die Chicas) haben hier Nachts überhaupt keine Hemmungen mehr – aber untertags das Maul nicht aufkriegen. Die Gogo Show war eher ein Hardcore-Lesbenporno, aber sehr hübsch anzusehen und auch die Schwule Minderheit war tatsächlich vertreten. An Musik läuft Elektro, nur nur Elektro – wie fast überall. Aber es gibt schlimmeres, habe bis um sieben durchgetanzt. Das Shamrock war eher ein Irishpub mit ner kleineren Tanzfläche im Keller. Musik: Elektro. Männer: Bagger. Hab mich eine Weile mit einem Argentinier dort unterhalten (wenn sie erst mal reden, dann sind sie auch nicht mehr so aufdringlich und gut in Schach zu halten. Außerdem ist sowieso die erste Frage ob man einen Freund hat und das kann ich ja dann immer ganz glücklich und wahrheitsgemäß mit JA beantworten <3.)>Sprachunterricht: Ich wollte eigentlich an der UBA (Universidad de Buenos Aires) den recht billigen und anscheinende auch recht guten Spanischkurs belegen. Einstufungstest: Nivel 4. Juhuu. Kurs schon voll. Scheiße.
Daraufhin habe ich im Internet rumgesucht und rumgefragt was man so finden kann aber die Preise waren der Wahnsinn. Z.T. 4h pro Tag für 5 Tage: 250 $. Die Ausländer werden hier schon ganz schön zur Kasse gebeten. Hab auch noch was annehmliches gefunden aber dann kam Lilia. Über eine Bekannte habe ich ihre Email Adresse bekommen und habe jetzt bei Ihr so 1-2mal pro Woche Einzelunterricht (!!!) für 15 Peso /h. Die Frau ist um die 50 super süß und super nett und hat nur zwei verschieden gemusterte Blusen. Und Einzelunterricht ist ja wirklich der Hammer. Nach 2h raucht mich zwar immer der Kopf, aber man kommt echt vorwärts. Und es macht Spaß – danke Lilia.

Capoeira: ich dachte cool Argentinien – liegt ja bekanntlicherweise neben Brasilien – da gibt’s Capoeira ohne Ende. Schon wieder Pustekuchen (ich merke gerade, dass ich mir hier vieles, ganz schön anders vorgestellt habe). Ich hab 100 Leute gefragt, in Fitnessstudios nachgehakt und war stundenlang im Internet um hier mal ne Capoeiragruppe zu finden. Nichts. Nur eine vereinzelte im Großraum BA und das wäre zu weit weg gewesen. Letztendlich habe ich dann aus Deutschland (danke Benni) eine Internetseite zugeschickt bekommen von der Grupo Topazio. Die haben bei mir in der Nähe auch Training. Bin mal hingegangen zum anschauen und war gleich wieder hin und weg. Das Training ist drei Mal die Woche leider nur für eine Stunde und ohne Rhoda (da kann man dann Samstags hingehen). Aber technisch super. Endlich wird mal kompetent verbessert und kritisiert. Die Mädels und Jungs sind super nett und ich freu mich schon ganz doll darauf richtig loszulegen. Die letzte Woche waren zwei Feiertage und diese Woche bin ich ja im Krankenhaus.

Shoppen: hmmm… Ich war in Berlin ja wirklich – im Hinblick auf meinen Aufenthalt hier – abstinent was dieses Thema anbetrifft. Ja, dass hab ich schon wieder reingeholt. Also hier ist alles wirklich billig und ich brauche ja auch ein paar Sachen (bin schließlich nur mit zwei Hosen, drei T-Shirts und ein bisschen Unterwäsche hier angekommen). Vor allem Schuhe sind das Problem. So viele Schuläden wie es hier auf einer Straße gibt (lange, lange Straße) gibt es in ganz Berlin nicht – Ehrenwort. Superschöne Lederschöhchen, und Chucks und, und, und… und echt günstig. Na jut ich muss mich jetzt erst mal wieder zurückhalten, aber in 2-3 Wochen darf ich mal wieder. Nachdem ich mal auf mein Konto geschaut habe und den Schock überwunden habe – denn auch billige Ausgaben machen pleite hab ich gemerkt. Selbst Schuld.

Klingelschild unserer Wohnung und die Aussicht vom Balkon


Weiter Aussicht vom Balkon und Touristin mit fraglichen Accessoir


Der schöne Strand - mal mit Quilmes Werbung mal mit Platte


Osterprozession


Urlaub II – Mar del Plata: Semana Santa – Osterwoche - Elodie wollte weg und hat dann mich, Stefan und Rudi eingepackt und wir sind ins Urlaubsparadies der Porteños gefahren – Mar del Plata (Malle für Deutschland). Die Stadt liegt ca. 450km 2) nördlich von BA an der Atlantikküste, hat unter dem Jahr ca. 500.000 Einwohner und im Sommer und der Semana Santa 1.000.000! Ich hab davon schon im Reiseführer gelesen und dachte – das kann ich mir sparen. Die 3 Tage dort waren echt nett, mal ein bisschen rauskommen, was anderes sehen und gegen Strand und schöne Häfen ist ja wirklich nichts einzuwenden, aber die Stadt an sich geht mal gar nicht. Häßlichst!!! Die haben ab den 60ern bis jetzt so einen Bauflash gehabt, dsas die die übelsten Plattenbauten am Strand hochgezogen haben. Das heißt auch, dass der Strand die hälfte des Tages im Schatten liegt. Die haben echt nicht mehr alle Tassen im Schrank die Argentinier.
Dazu kommt dann noch, dass die wirklich wie die letzten Ölsardienen, knacke-braun-verbrannt, in jedem Alter String tragend, Seite an Seite sich an den Strand quetschen. Geht’s noch??? Das haben wir uns am Ankunftstag zwei Stunden angeschaut, haben Fotos gemacht und am nächsten Morgen sind wir mit dem Collectivo 30 min. an einen traumhaften, recht leeren Strand außerhalb gefahren. Jut wars.


Hafen in Mar del Plata


Seeelefanten im Hafen und Kampf um die Herrschaft dort
(die Hunde gewinnen)


Asado:
Aber das Beste war die Asado. Rudis Kommilitone Marcelo war zufällig (wie fast alle aus BA) an dem Wochenende auch in Mardel (Abk.). Er ist schon 38 und hat Frau und 2 süße Jungs. Jedenfalls hat er uns Gastfreundlich wie man so ist völlig herzlich und selbstverständlich zu sich in seine Wohnung zum Asado 3) eingeladen. In dem Wohnhochhauskomplex ist unten im Keller neben dem Pool eigens dafür ein riesiger Raum mir stattlichem Grill großem Kühlschrank und pipapo eingerichtet. Da haben wir dann das frisch Geschlachtete roh und ungewürzt auf den Grill geworfen. Beilage: Wein und Bier. Hier braucht man nicht mehr zum Fleisch. Ich bin ja eigentlich kein großer Fleischfan und auch in den Restaurants war ich vom Argentinischen Bife nie so angetan. Aber an diesem Abend aß ich das beste Fleisch – ever. Nur ein bisschen Salz am Schluss drüber und das Messer gleitet durch das tote Tier. Mhhh.
Der Abend war auch sonst super toll. Haben viel geschwatzt und die Kids (10 und 13 Jahre) waren auch munter dabei. Kinder sind hier sowieso das allerwichtigste. Sie werden immer und überall und zu jeder Tages- und Nachtzeit mitgeschleppt. In diesem Fall war’s ja ganz nett das die Kleinen bis drei auf den Beinen waren, aber manchmal tun mir die Kleinkinder echt leid die im sitzen an den Restauranttischen einschlafen.
Martin – der kleinere – war auch ganz süß und hat extra langsam für uns gesprochen und uns alles immer ganz ausführlich erklärt und am Schluss haben wir sogar die argentinischen Witze verstanden. Schön war’s. allein für den abend hat sich Mardel gelohnt.


Asado - Davor und Danach


Definitiv davor!


Wir haben dort in Stefans Geburtstag reingefeiert.


So - listo, und seit dieser Woche bin ich im Krankenhaus am Donnerstag werde ich eine Guardia machen (28h in der Notaufnahme) und werde danach berichten. Das Praktikum macht echt Spaß. Alle sind super nett aber ich muss echt manchmal ganz schön schlucken wie hier der Arbeitsalltag und das Patientengut aussehen. Aber dazu mehr in ein paar Tagen. Und ihr könnt Euch noch auf einen kleinen Artikel über argentinischen Bürokratismus freuen. Ich hab das ja schon mal angedeutet aber langsam denke ich echt, dass die Leute in dieser Hinsicht (und noch in ein paar anderen) einen an der Waffel haben. Muss nächste Woche mein Visum beantragen und ich bin mir ziemlich sicher dass es da einiges an Skurrilitäten zu berichten gibt. Freu mich schon auf die 200m Schlange vor dem Ministerium (KEINE Übertreibung, ich laufe da jeden morgen dran vorbei!!!!)

Nicht dass ihr den falschen Eindruck bekommt. Ich finds hier cool und da ich hier ja keinen Stress habe kann ich mich auch 7 Monate gerne mit den Gepflogenheiten anfreunden – hab aber immer im Hinterkopf: nicht für immer! Sonst würde ich glaube an der Fähigkeit zur Logik bei diesem Völkchen zweifeln.

Küsse, HK


1) 4 Peso ~ 1 Euro
2) Das ist sozusagen die Nachbarstadt von Buenos Aires und liegt echt nahe
3) Asado: 1) Argentinisches Grillspektakel mit viel viel viel Fleisch. Geht meistens den ganzen Tag und ist ein Happening mit der ganzen Familie und Freunden. Wenn man richtig original das Land erleben möchte, dann sollte man sich geschickt anstellen und von einer argentinischen Familie zum Asado eingeladen werden (lucky us). 2) Asado ist auch die Bezeichnung für Fleisch von der Kuh aus dem Rippenbogen, natürlich mit Rippen. Wichtig für die Speisekarte – gibt’s nämlich überall.

Montag, 9. April 2007

Das neuste im März


Haare: ich war – für meine nichtvorhandenen Spanischkenntnisse in Sachen Mode und Haare - ganz mutig beim Friseur und habe einen Pony. Ich will keine negativen Kommentare hören. Ich find’s toll!!! ;-)

Was gibt’s sonst noch zu erzählen???

Keine weltbewegenden Neuigkeiten eigentlich. Mir geht’s nach wie vor sehr gut und fühle mich immer mehr zu Hause. Dank der dezenten Einkehr eines kleinen aber feinen Alltags (ich scheine wirklich Strukturen zu brauchen). Apropos Strukturen – hier mal wieder alles in gern geschriebener kategorischer –und natürlich auch chronologischer - Auflistung (liest sich doch auch besser, oder???):

Fotographie und Porteños 1): Habe mich ziemlich am Anfang schon von Elodie (frz. Mitbewohnerin) dazu überredenlassen einen „Fotokurs“ zu machen. Habe ja extra meine Spiegelreflex mitgenommen um hier mal ein bisschen besser Fotografieren zu lernen. Gesagt - getan: und eingeschrieben bin ich – am „Nuevo Foto Club Argentino – Curso Basico“. In dem Kurs wird wirklich bei Null – sprich der Camera Obscura – angefangen und dann weiter über Blende, Brennweite blablabla bis wir am Schluss im Labor selber entwickeln lernen. Eigentlich weiß ich ja schon wie ne Kamera und so funktioniert aber ich lerne hier echt noch viel dazu weil es wirklich sehr ausführlich ist (3 Monate lang 4 Stunden pro Woche).
Außerdem verbessere ich mein Spanisch und lern gleich noch mal ein paar Einheimische kennen. Pustekuchen. Das mit der Sprache stimmt. Es ist echt cool in einem Kurs mit Muttersprachlern zu sitzen und alles zu verstehen (nicht jedes Wort – aber den Zusammenhang zumindest).
Aber einfach mal einen kleinen Fotokurs machen und dann gleich einen Haufen er hübschen, intelligenten, kreativen und interessanten der ach so lockeren und offenen Porteños kennenzulernen war ein zu Einfach gedacht.
Ich konnte es kaum glauben: die sitzen vor, während und nach dem Kurs und natürlich auch in der Pause ganz brav und stumm nebeneinander und sagen kein Wort. Alle zu schüchtern hab ich das Gefühl. Am Anfang war mir das ja nur recht weil ich panische Angst hatte irgendwas auf Ausländercastellano sagen zu müssen aber nach der zweiten Stunde wurde mir das echt zu blöd und auch peinlich. Ich habe einfach meine Nebensitzerin angequatscht und sie hat mir auch ganz lieb und nett geantwortet. Aber wehe es wäre ein Gespräch daraus geworden,… . Die sind irgendwie komisch. In der Disse wirst du dauend betatscht und angegraben und am helllichten Tag kommen die unter Ihren Brusthaaren kaum hervor.

Da wären wir auch beim nächsten Punkt: La vida nocturnal 2).

Aber es ist schon spät und ich muss morgen um 5.30 raus weil ich ins Krankenhaus muss – ja ich hab Kurse!!! Außerdem lest ihr ja eh nicht fertig wenn ich wieder drei Seiten schreibe. Morgen gibt’s dann folgende Kategorien:

- La vida nocturnal – grabschen, gogo und gays



- Capoeira – einfach das geilste!
- Shoppen – fast genauso geil und billich 3)!



- Mar del Plata – Malle in Argentinien

- Hospital – Die liebe Arbeit und trotzdem wenig Geld

Also schaltet wieder ein…


1) Porteño - in Buenos Aires geborene (wird auch für Leute die aus Valparaíso (Chile) stammen verwendet. Nicht in diesem Kontext)
2) Das Nachtleben
3) Was stimmt auf diesem Bild nicht? Auflößung kommt nächstes mal.