Dienstag, 10. April 2007

Das Einleben ist vorbei




Auflößung vom letzten Post: Adenauer ist auch in Argentinischen Bücherständen zu finden.
"DICTATOR DEMOCRATICO"


La vida nocturnal: Ich muss zugeben, dass ich da jetzt noch nicht voll die Szenemaus geworden bin und ich denke dass das auch ausbleiben wird aber ich war schon ein paar mal aus. Was für mich schon mal schwierig ist, ist das man hier halt aller aller frühestens um eins loszieht – eher um drei.
Dann hat man hier schon eine sehr sehr große Auswahl an Clubs und Kneipen. Diese liegen aber – wie auch in Berlin – immer mehr oder weniger weit auseinander, dass man entweder viel Taxi fährt oder sich halt vorher einigen muss. Eintritt ist für hießige Verhältnisse ziemlich teuer finde ich (zwischen 10 (nur für Frauen) und 40 Pesos ist normal 1)) Ich war bis Jetzt im AmeriK und Shamrock. Ersteres wird als Transvestiten- und Schwulenclub gepriesen, aber auch da wird hererosexuellerweise gebaggert und angetatscht wie überall – eher schlimmer. Es ist wirklich bemerkenswert; die Typen (und auch die Chicas) haben hier Nachts überhaupt keine Hemmungen mehr – aber untertags das Maul nicht aufkriegen. Die Gogo Show war eher ein Hardcore-Lesbenporno, aber sehr hübsch anzusehen und auch die Schwule Minderheit war tatsächlich vertreten. An Musik läuft Elektro, nur nur Elektro – wie fast überall. Aber es gibt schlimmeres, habe bis um sieben durchgetanzt. Das Shamrock war eher ein Irishpub mit ner kleineren Tanzfläche im Keller. Musik: Elektro. Männer: Bagger. Hab mich eine Weile mit einem Argentinier dort unterhalten (wenn sie erst mal reden, dann sind sie auch nicht mehr so aufdringlich und gut in Schach zu halten. Außerdem ist sowieso die erste Frage ob man einen Freund hat und das kann ich ja dann immer ganz glücklich und wahrheitsgemäß mit JA beantworten <3.)>Sprachunterricht: Ich wollte eigentlich an der UBA (Universidad de Buenos Aires) den recht billigen und anscheinende auch recht guten Spanischkurs belegen. Einstufungstest: Nivel 4. Juhuu. Kurs schon voll. Scheiße.
Daraufhin habe ich im Internet rumgesucht und rumgefragt was man so finden kann aber die Preise waren der Wahnsinn. Z.T. 4h pro Tag für 5 Tage: 250 $. Die Ausländer werden hier schon ganz schön zur Kasse gebeten. Hab auch noch was annehmliches gefunden aber dann kam Lilia. Über eine Bekannte habe ich ihre Email Adresse bekommen und habe jetzt bei Ihr so 1-2mal pro Woche Einzelunterricht (!!!) für 15 Peso /h. Die Frau ist um die 50 super süß und super nett und hat nur zwei verschieden gemusterte Blusen. Und Einzelunterricht ist ja wirklich der Hammer. Nach 2h raucht mich zwar immer der Kopf, aber man kommt echt vorwärts. Und es macht Spaß – danke Lilia.

Capoeira: ich dachte cool Argentinien – liegt ja bekanntlicherweise neben Brasilien – da gibt’s Capoeira ohne Ende. Schon wieder Pustekuchen (ich merke gerade, dass ich mir hier vieles, ganz schön anders vorgestellt habe). Ich hab 100 Leute gefragt, in Fitnessstudios nachgehakt und war stundenlang im Internet um hier mal ne Capoeiragruppe zu finden. Nichts. Nur eine vereinzelte im Großraum BA und das wäre zu weit weg gewesen. Letztendlich habe ich dann aus Deutschland (danke Benni) eine Internetseite zugeschickt bekommen von der Grupo Topazio. Die haben bei mir in der Nähe auch Training. Bin mal hingegangen zum anschauen und war gleich wieder hin und weg. Das Training ist drei Mal die Woche leider nur für eine Stunde und ohne Rhoda (da kann man dann Samstags hingehen). Aber technisch super. Endlich wird mal kompetent verbessert und kritisiert. Die Mädels und Jungs sind super nett und ich freu mich schon ganz doll darauf richtig loszulegen. Die letzte Woche waren zwei Feiertage und diese Woche bin ich ja im Krankenhaus.

Shoppen: hmmm… Ich war in Berlin ja wirklich – im Hinblick auf meinen Aufenthalt hier – abstinent was dieses Thema anbetrifft. Ja, dass hab ich schon wieder reingeholt. Also hier ist alles wirklich billig und ich brauche ja auch ein paar Sachen (bin schließlich nur mit zwei Hosen, drei T-Shirts und ein bisschen Unterwäsche hier angekommen). Vor allem Schuhe sind das Problem. So viele Schuläden wie es hier auf einer Straße gibt (lange, lange Straße) gibt es in ganz Berlin nicht – Ehrenwort. Superschöne Lederschöhchen, und Chucks und, und, und… und echt günstig. Na jut ich muss mich jetzt erst mal wieder zurückhalten, aber in 2-3 Wochen darf ich mal wieder. Nachdem ich mal auf mein Konto geschaut habe und den Schock überwunden habe – denn auch billige Ausgaben machen pleite hab ich gemerkt. Selbst Schuld.

Klingelschild unserer Wohnung und die Aussicht vom Balkon


Weiter Aussicht vom Balkon und Touristin mit fraglichen Accessoir


Der schöne Strand - mal mit Quilmes Werbung mal mit Platte


Osterprozession


Urlaub II – Mar del Plata: Semana Santa – Osterwoche - Elodie wollte weg und hat dann mich, Stefan und Rudi eingepackt und wir sind ins Urlaubsparadies der Porteños gefahren – Mar del Plata (Malle für Deutschland). Die Stadt liegt ca. 450km 2) nördlich von BA an der Atlantikküste, hat unter dem Jahr ca. 500.000 Einwohner und im Sommer und der Semana Santa 1.000.000! Ich hab davon schon im Reiseführer gelesen und dachte – das kann ich mir sparen. Die 3 Tage dort waren echt nett, mal ein bisschen rauskommen, was anderes sehen und gegen Strand und schöne Häfen ist ja wirklich nichts einzuwenden, aber die Stadt an sich geht mal gar nicht. Häßlichst!!! Die haben ab den 60ern bis jetzt so einen Bauflash gehabt, dsas die die übelsten Plattenbauten am Strand hochgezogen haben. Das heißt auch, dass der Strand die hälfte des Tages im Schatten liegt. Die haben echt nicht mehr alle Tassen im Schrank die Argentinier.
Dazu kommt dann noch, dass die wirklich wie die letzten Ölsardienen, knacke-braun-verbrannt, in jedem Alter String tragend, Seite an Seite sich an den Strand quetschen. Geht’s noch??? Das haben wir uns am Ankunftstag zwei Stunden angeschaut, haben Fotos gemacht und am nächsten Morgen sind wir mit dem Collectivo 30 min. an einen traumhaften, recht leeren Strand außerhalb gefahren. Jut wars.


Hafen in Mar del Plata


Seeelefanten im Hafen und Kampf um die Herrschaft dort
(die Hunde gewinnen)


Asado:
Aber das Beste war die Asado. Rudis Kommilitone Marcelo war zufällig (wie fast alle aus BA) an dem Wochenende auch in Mardel (Abk.). Er ist schon 38 und hat Frau und 2 süße Jungs. Jedenfalls hat er uns Gastfreundlich wie man so ist völlig herzlich und selbstverständlich zu sich in seine Wohnung zum Asado 3) eingeladen. In dem Wohnhochhauskomplex ist unten im Keller neben dem Pool eigens dafür ein riesiger Raum mir stattlichem Grill großem Kühlschrank und pipapo eingerichtet. Da haben wir dann das frisch Geschlachtete roh und ungewürzt auf den Grill geworfen. Beilage: Wein und Bier. Hier braucht man nicht mehr zum Fleisch. Ich bin ja eigentlich kein großer Fleischfan und auch in den Restaurants war ich vom Argentinischen Bife nie so angetan. Aber an diesem Abend aß ich das beste Fleisch – ever. Nur ein bisschen Salz am Schluss drüber und das Messer gleitet durch das tote Tier. Mhhh.
Der Abend war auch sonst super toll. Haben viel geschwatzt und die Kids (10 und 13 Jahre) waren auch munter dabei. Kinder sind hier sowieso das allerwichtigste. Sie werden immer und überall und zu jeder Tages- und Nachtzeit mitgeschleppt. In diesem Fall war’s ja ganz nett das die Kleinen bis drei auf den Beinen waren, aber manchmal tun mir die Kleinkinder echt leid die im sitzen an den Restauranttischen einschlafen.
Martin – der kleinere – war auch ganz süß und hat extra langsam für uns gesprochen und uns alles immer ganz ausführlich erklärt und am Schluss haben wir sogar die argentinischen Witze verstanden. Schön war’s. allein für den abend hat sich Mardel gelohnt.


Asado - Davor und Danach


Definitiv davor!


Wir haben dort in Stefans Geburtstag reingefeiert.


So - listo, und seit dieser Woche bin ich im Krankenhaus am Donnerstag werde ich eine Guardia machen (28h in der Notaufnahme) und werde danach berichten. Das Praktikum macht echt Spaß. Alle sind super nett aber ich muss echt manchmal ganz schön schlucken wie hier der Arbeitsalltag und das Patientengut aussehen. Aber dazu mehr in ein paar Tagen. Und ihr könnt Euch noch auf einen kleinen Artikel über argentinischen Bürokratismus freuen. Ich hab das ja schon mal angedeutet aber langsam denke ich echt, dass die Leute in dieser Hinsicht (und noch in ein paar anderen) einen an der Waffel haben. Muss nächste Woche mein Visum beantragen und ich bin mir ziemlich sicher dass es da einiges an Skurrilitäten zu berichten gibt. Freu mich schon auf die 200m Schlange vor dem Ministerium (KEINE Übertreibung, ich laufe da jeden morgen dran vorbei!!!!)

Nicht dass ihr den falschen Eindruck bekommt. Ich finds hier cool und da ich hier ja keinen Stress habe kann ich mich auch 7 Monate gerne mit den Gepflogenheiten anfreunden – hab aber immer im Hinterkopf: nicht für immer! Sonst würde ich glaube an der Fähigkeit zur Logik bei diesem Völkchen zweifeln.

Küsse, HK


1) 4 Peso ~ 1 Euro
2) Das ist sozusagen die Nachbarstadt von Buenos Aires und liegt echt nahe
3) Asado: 1) Argentinisches Grillspektakel mit viel viel viel Fleisch. Geht meistens den ganzen Tag und ist ein Happening mit der ganzen Familie und Freunden. Wenn man richtig original das Land erleben möchte, dann sollte man sich geschickt anstellen und von einer argentinischen Familie zum Asado eingeladen werden (lucky us). 2) Asado ist auch die Bezeichnung für Fleisch von der Kuh aus dem Rippenbogen, natürlich mit Rippen. Wichtig für die Speisekarte – gibt’s nämlich überall.

Keine Kommentare: